Durchschnittliche Kosten eines Pensionspferdes für den Stallbetreiber
Die Pensionspferdehaltung ist ein zentraler Betriebszweig vieler landwirtschaftlicher und gewerblicher Pferdebetriebe. Für Stallbetreiber ist es entscheidend, die tatsächlichen Kosten pro Pferd realistisch zu kalkulieren, um wirtschaftlich arbeiten zu können. Die Kostenstruktur setzt sich aus variablen und fixen Kosten zusammen. Im Folgenden werden die wichtigsten Kostenfaktoren detailliert dargestellt und anschließend den typischen Kosten für den Einsteller gegenübergestellt.
Futterkosten:
Die Futterkosten stellen einen der größten variablen Kostenblöcke dar.
Raufutter (Heu, Silage) Ein Pferd benötigt durchschnittlich 2 kg Heu pro 100 kg Körpergewicht täglich. Bei einem 600-kg-Pferd entspricht das etwa 12 kg Heu pro Tag. (Kleinpferde und Fohlen entsprechend weniger)
- Durchschnittlicher Heupreis: ca. 0,20–0,35 € pro kg
- Monatlicher Bedarf: ca. 360 kg
- Monatliche Kosten: ca. 100–110 €
Kraftfutter Je nach Leistung und Nutzung fallen zusätzlich Kraftfutterkosten in Höhe von ca. 30,- € an
Einstreu Stroh oder Späne:
- Stroh: ca. 40–70 € pro Monat
- Späne: ca. 70–120 € pro Monat
Gesamte Futter- und Einstreukosten pro Monat:
200–250 € pro Pferd
Arbeitszeit Die Arbeitszeit ist ein wesentlicher Kostenfaktor, insbesondere bei Vollpension. Dazu zählen typische Tätigkeiten wie:
- Füttern (2–3 Mal täglich)
- Misten
- Einstreuen
- Pferde auf die Weide bringen
- Pflege der Anlage
Der durchschnittliche Zeitaufwand beträgt etwa ca. 20–30 Minuten pro Pferd und Tag. Bei einem kalkulatorischem Stundenlohn von 15,- € ergibt das monatliche Arbeitskosten: 225,- € pro Pferd.
Kapitaldienst (oder kalkulatorische Zinsen für eingesetztes Kapital)
Der Kapitaldienst umfasst Zins- und Tilgungsleistungen für Investitionen in:
- Stallgebäude
- Reithalle
- Außenplätze
- Maschinen
- Lagerflächen
Je nach Investitionshöhe (z. B. 500.000–2.000.000 € Gesamtinvestition) ergeben sich anteilige Kosten pro Pferd von ca. 100 – 250,- € monatlich
Energiekosten
- Strom,
- Wasser
- Heizung pauschal 40,- € pro Pferd
Maschinenkosten Je nach Betriebsgröße werde Maschinen benötigt für:
- Futterernte
- Miststreuen
- Ausmisten
- Platzpflege
- Transportarbeiten
Dazu zählen:
- Traktor
- Hoflader
- Miststreuer
- Ballenpresse
- Reitplatzplaner
Monatliche anteilige Maschinenkosten (inkl. Wartung, Reparatur, Diesel):
ca. 40–100 € pro Pferd
Abschreibung Gebäude und Maschinen unterliegen einer wirtschaftlichen Abnutzung. Typische Abschreibungszeiträume betragen für
- Stallgebäude: 20–30 Jahre
- Maschinen: 8–15 Jahre
- Reitboden: 5–10 Jahre
Daraus ergibt sich eine monatliche Abschreibung pro Pferd von ca. 80,-€ – 200,-€
Gesamtkosten für den Stallbetreiber
Unter Berücksichtigung aller genannten Faktoren ergibt sich folgende durchschnittliche monatliche Kostenstruktur pro Pensionspferd
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Kostenart |
Durchschnitt pro Monat |
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Futter, Einstreu, Energie |
120–250 € |
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Arbeits- & Lohnkosten |
200–350 € |
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Kapitaldienst, Versicherungen, Beiträge |
100–250 € |
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Maschinenkosten |
40–100 € |
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Abschreibung |
80–200 € |
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Gesamt |
540–1.150 € |
Die tatsächlichen Kosten variieren stark je nach:
- Region
- Betriebsgröße
- Ausstattung (Reithalle, Führanlage etc.)
- Eigenmechanisierung
- Eigen- oder Fremdarbeitskräfte
Je nach Art des Betriebes erhöhen sich die Kosten des Betriebes um 7 ( landwirtschaftlich) bis 19% (gewerblich) Umsatzsteuer, die von den erzielten Einnahmen an das Finanzamt abzuführen sind.
Kosten für den Pensionspferde-Einsteller
Der Einsteller zahlt je nach Region und Leistungsumfang:
- Offenstall: 250–450 € pro Monat
- Teilpension: 350–550 € pro Monat
- Vollpension mit Reithalle: 450–900 € pro Monat
- Premiumanlagen: über 1.000 € pro Monat
Fazit
In vielen Betrieben liegt die Wirtschaftlichkeit unter Druck, da die tatsächlichen Kosten häufig nahe am verlangten Pensionspreis liegen. Besonders steigende Futter-, Energie- und Lohnkosten erhöhen den betriebswirtschaftlichen Druck. Die Haltung eines Pensionspferdes verursacht für den Stallbetreiber durchschnittliche monatliche Kosten zwischen 540 € und 1.150 €. Wirtschaftlicher Erfolg ist nur möglich, wenn:
- die Auslastung hoch ist,
- die Kosten exakt kalkuliert werden,
- Investitionen nachhaltig geplant sind,
- und die Pensionspreise regelmäßig angepasst werden.