Tipps rund um die Fohlengeburt – Vorbereitung, Ablauf und Nachsorge
Ulrich Schmelzer, Leiter der Firma HCS ist geprüfter Pferdewirtschaftsmeister mit über 40 jähriger Berufserfahrung. In dieser Zeit hat er viele Pferdegeburten miterlebt und begleitet. Hier hat er die wichtigsten Tipps für Sie Zusammengestellt:
Die Fohlengeburt ist ein natürlicher Prozess, der sorgfältige Vorbereitung erfordert. Ziel ist eine sichere Geburt für Stute und Fohlen, schnelle Erkennung von Komplikationen und rechtzeitige tierärztliche Unterstützung bei Bedarf.
Vorbereitungen (Langfristig bis kurz vor der Geburt)
- Ruhiger, sauberer, gut belüfteter Stall zum Abfohlen vorbereiten mit freier Fläche um Geburtsplatz und genug Licht und Hitzeschutz bei Extremwetter; geeignete Bodenbeschaffenheit (trocken, rutschfest).
- Überwachung und Pflege der Stute sicherstellen durch regelmäßige tierärztliche Untersuchung sowie Impfschutz und Entwurmung gemäß Plan. Anpassung der Futterration drei bis vier Wochen vor dem Termin.
- Geburtsplatz vorbereiten
- Einfache, trockene Unterlage (Stroh, Stallmatte) und eine Absperrung zum Schutz anderer Tiere.
- Saubere Instrumente griffbereit: saubere Handschuhe, saubere Scheren, sterile Tücher, Desinfektionsmittel.
- Ausrüstung und Notfallplan
- Telefon- und Kontaktdaten des Tierarztes, nächste Klinik, Transportmittel prüfen.
- Notfall-Checkliste erstellen (Was liegt bereit? Wer hilft? Wie wird transportiert?).
- Fütterung und Gesundheitszustand der Stute
- Calcium- und Vitaminbedarf im letzten Drittel der Trächtigkeit beobachten; ausreichende Wasserzufuhr.
- Vermeidung von abrupten Futterwechseln und Stress.
Anzeichen der bevorstehenden Geburt
- Gezeitenwechsel des Fohlens: Vorhergesagte Anzeichen sind manchmal unauffällig; häufige Anzeichen:
- Unruhe, leichte Schweißbildung am Bauch. Lockerung des Gesäßmuskels, Absacken des Beckens.
- Veränderung in der Milchproduktion, bilden von „Harztropfen“,bzw. klare Veränderungen am Euter.
- Zeitpunkt beachten
- Fohlengeburt kann innerhalb eines Tages stattfinden, bei Risiken kann der Tierarzt vorher konsultiert werden.
Phasen der Geburt (geburtliches Prozedere)
- Eröffnungsphase (Wehenbeginn) Stute wird unruhig; Pausen zwischen Wehen möglich.
- Normale Austreibungsphase (Kopf/ Vorderbeine zuerst)
- Vorderbeine mit Hufen nach unten, Kopf dazwischen; der Fohlenkopf folgt.
- Nachgeburtsphase
- Nach dem Fohlen folgen die Nachgeburtsblätter (nach ca. 15–60 Minuten).
- Kontrolle ob Nachgeburt komplett abgegangen ist. Verbleib der Nachgeburt im Stall vermeiden;
Wichtige Maßnahmen während der Geburt
- Sicherheit vor Ort
- Bei normalen Verlauf stört niemand die Stute während der Geburt.
- Wenn Unterstützung durch Menschen notwendig ist
- Leisten nur zugelassen und erfahrene Helfer Unterstützung
- Wenn das Fohlen nicht sichtbar oder nicht atmet oder die Stute Anzeichen von Problemen zeigt, sofort Tierarzt rufen.
- Umweltfaktoren
- Temperatur- und Feuchtigkeitskontrolle; kühle Luft vermeiden, aber keine Überhitzung.
- Infektionsschutz
- Hände und Gegenstände sauber halten; kontaminierte Materialien vermeiden.
Nachgeburt und Erstversorgung des Fohlens
- Stute nach der Geburt
- Nachgeburtsverhalten beobachten; kein Zwang, wenn sie ruhig ist.
- Kontrolle auf Anzeichen von Problemen: Blutung, Unbehagen, Schmerzen.
- Fohlen-Check unmittelbar nach der Geburt
- Atmung prüfen, Mund- und Nasenwege frei; ersten Atemzug erleichtern, falls nötig (sanfter Reiz unter den Brustkorb).
- Nabel reinigen und desinfizieren, ggf. Nabelklemme verwenden (tierärztliche Anweisung beachten).
- Erste Stuhl- und Nahrungsaufnahme: Fohlen soll in den ersten Stunden erste Muttermilch aufnehmen (Kolostrum, wärmend anfangs mehrmals kleine Portionen
- Kolostrum und Muttermilch
- Notwendig ist eine frühzeitige Kolostrumaufnahme (die ersten 6–12 Stunden sind kritisch, da das Fohlen noch keine eigenen Abwehrstoffe hat und über das Kolostrum aufnehmen muss).
- Falls Stute kein ausreichendes Kolostrum liefert, Kolostrum aus anderer Fohlenmutter oder Kolostrum-Präparate verabreichen lassen (ärztliche Anweisung beachten).
- Verhalten des Fohlens
- Anfänglich starke Ruhezeit, dann aktives Lecken und Aufstehen üben; dreht und steht das Fohlen früh auf, fördert die Immunität und Lungenreifung.
Bei einem neugeborenen Fohlen gelten die sogenannten „3-Stunden-Regeln“ (Vitalitätsregeln):
- Innerhalb von 1 Stunde → Das Fohlen sollte aufstehen.
- Innerhalb von 2 Stunden → Es sollte selbstständig saufen (Kolostrum aufnehmen).
- Innerhalb von 3 Stunden → Die Nachgeburt (Plazenta) sollte bei der Stute abgegangen sein.
Diese Regeln sind sehr wichtig, da besonders die frühe Aufnahme von Kolostrum entscheidend für die Immunabwehr des Fohlens ist.
Wenn eine dieser Zeiten deutlich überschritten wird, sollte umgehend ein Tierarzt hinzugezogen werden.
Nachsorge der Stute
- Untersuchung nach der Geburt
- Stute in den ersten 24–48 Stunden kontrollieren: Fruchtbände und Zitzen, Temperatur, Appetit.
- Gesundheit und Fütterung
- Stabile Fütterung; ausreichendes Rohfaserangebot; Wasser bereitstellen.
- Temperaturkontrolle, ausreichende Milchleistung