Tierschutz im Pferdesport: Die Notwendigkeit einer altersgerechten Jungpferdeausbildung
Tierschutz im Pferdesport

Tierschutz im Pferdesport: Die Notwendigkeit einer altersgerechten Jungpferdeausbildung

 

Als Sachverständiger für Pferde ist es vor allem in der Beurteilung einer Pferdezucht und Aufzucht enorm wichtig, die altersgerechte Jungpferdeausbildung zum Schutz der Tiere richtig zu bewerten. Die altersgerechte Ausbildung von Jungpferden ist ein wesentlicher Bestandteil verantwortungsvoller Pferdehaltung und bildet die Grundlage für eine gesunde, langfristige Nutzung im Reitsport oder in der Zucht. Dabei orientiert sich das Training an der physischen und psychischen Entwicklung des Pferdes.


Erst ab einem Alter von etwa drei Jahren ist das Skelett eines Pferdes weitgehend stabilisiert, sodass mit einer schonenden Grundausbildung begonnen werden kann. Diese sollte vielfältig, abwechslungsreich und frei von Leistungsdruck gestaltet sein. Ziel ist es, das Vertrauen des Pferdes zu gewinnen, seine natürliche Neugier zu fördern und eine solide Basis für spätere Anforderungen zu schaffen.

 

Überforderung des Pferdes

Eine zu frühe oder zu intensive Ausbildung kann das Pferd körperlich wie seelisch überfordern. Typische Anzeichen einer Überforderung sind Muskelverspannungen, Unwilligkeit, Abwehrverhalten oder gesundheitliche Probleme wie Lahmheiten oder Gelenkverschleiß.
Überforderung entsteht häufig durch menschlichen Ehrgeiz, kommerziellen Druck oder falsche Trainingsmethoden. Verantwortungsbewusste Ausbilder achten daher auf das individuelle Lerntempo des Pferdes und berücksichtigen seine Grenzen.

 

Tierwohl und Tierschutz

Das Tierwohl steht im Zentrum jeder pferdegerechten Ausbildung. Unter Tierschutzgesichtspunkten bedeutet das: Eine Haltung, Pflege und Nutzung des Pferdes, die auf seine Bedürfnisse abgestimmt ist. Dazu gehören ausreichend Bewegung, Sozialkontakt, artgerechte Fütterung und eine respektvolle Behandlung im täglichen Umgang.
Der deutsche Tierschutz (§ 1 Tierschutzgesetz) fordert, dass keinem Tier „ohne vernünftigen Grund Schmerzen, Leiden oder Schäden“ zugefügt werden dürfen. Dieses Prinzip gilt auch uneingeschränkt im Pferdesport und in der Zucht.

 

Beispiel Hengstkörung und Hengstleistungsprüfung

Die Hengstkörung ist ein zentrales Instrument der Pferdezucht. Dabei werden junge Hengste auf Exterieur, Bewegung, Charakter und Gesundheitsaspekte geprüft. Nur Hengste, die ein positives Körurteil erhalten, dürfen als Zuchttiere eingesetzt werden.
Anschließend folgt die Hengstleistungsprüfung, bei der die Rittigkeit, Leistungsbereitschaft und das Temperament der Tiere bewertet werden. Kritisch wird jedoch diskutiert, ob das Prüfungsalter und die Belastung während dieser Prüfungen immer im Sinne des Tierschutzes sind. Hier steht die Forderung nach einer Anpassung der Prüfungsmodalitäten im Raum, um eine wirklich altersgerechte Entwicklung zu ermöglichen.

 

Frühzeitiger Verschleiß

Ein immer wiederkehrendes Problem im Pferdesport ist der frühzeitige Verschleiß durch zu frühes Anreiten, zu intensives Training oder falsche Belastung. Besonders leistungsorientierte Reitsportdisziplinen neigen dazu, junge Pferde früh auf Turnieren vorzustellen, was langfristig zu gesundheitlichen Problemen führen kann.
Vorbeugend sollten Trainingsmethoden gewählt werden, die die Tragkraft und nicht die Schubkraft stärken, kombiniert mit ausreichend Regenerationsphasen. Tierärztliche Begleitung und regelmäßige Gesundheitskontrollen sind hierbei unerlässlich.

 

Tierschutz im Pferdesport

Im modernen Pferdesport steht der Tierschutz zunehmend im Fokus der Öffentlichkeit. In Disziplinen wie Dressur, Springen oder Vielseitigkeit muss gewährleistet sein, dass das Wohl des Pferdes stets Vorrang vor sportlichem Erfolg hat.
Verstöße wie übermäßiger Gebrauch von Hilfszügeln, unfaire Trainingsmethoden („Rollkur“) oder der Einsatz von Schmerzreizen stehen zurecht in der Kritik. Initiativen, Schulungen und strengere Kontrollen sollen künftig sicherstellen, dass sportliche Leistungen nicht auf Kosten des Pferdes erbracht werden.

 

„Do it ride“ – Verantwortung in der Ausbildung

Das Motto „Do it ride“ (frei übersetzt: „Mach es richtig“) steht sinnbildlich für einen bewussten und respektvollen Umgang mit dem Partner Pferd. Es appelliert an Ausbilder, Reiterinnen und Reiter, Verantwortung zu übernehmen und sich fortlaufend weiterzubilden.
Eine faire Ausbildung orientiert sich nicht an kurzfristigen Erfolgen, sondern an einer langfristigen, harmonischen Beziehung zwischen Mensch und Pferd. Sie zeichnet sich durch Geduld, Verständnis und fachliches Wissen aus.

 

Fazit

Eine verantwortungsvolle Jungpferdeausbildung ist untrennbar mit Tierschutz und Tierwohl verbunden. Nur durch altersgerechtes, pferdegerechtes Training, faire Prüfungsbedingungen und einen respektvollen Umgang kann die Basis für gesunde, leistungsbereite und zufriedene Pferde geschaffen werden. Der moderne Pferdesport steht damit in der Pflicht, sich stetig weiterzuentwickeln – im Sinne des Pferdes.